Bodendenkmäler sind das unsichtbare Risiko jedes Bauvorhabens. Sie stehen nicht im Grundbuch, sind auf dem Grundstück nicht zu erkennen und tauchen typischerweise dann auf, wenn der Bagger schon läuft. Die rechtlichen Folgen treffen den Bauherrn dann sofort – vom Baustopp bis zur Kostentragung für die archäologische Untersuchung.

Was ein Bodendenkmal ist

Art. 1 Abs. 4 BayDSchG definiert Bodendenkmäler als bewegliche und unbewegliche Denkmäler einschließlich der zu ihnen gehörenden menschlichen Gebeine, tierischen und sonstigen organischen Überreste, die sich im Boden befinden oder befanden und in der Regel aus vor- oder frühgeschichtlicher Zeit stammen. Das „in der Regel“ ist bewusst offen: Auch jüngere Befunde können Bodendenkmäler sein.

Die Erlaubnispflicht: Art. 7 Abs. 1 BayDSchG

Nach Satz 1 bedarf der Erlaubnis, wer auf einem Grundstück nach Bodendenkmälern graben oder zu einem anderen Zweck Erdarbeiten vornehmen will, obwohl er weiß oder vermutet oder den Umständen nach annehmen muss, dass sich dort Bodendenkmäler befinden.

Der Tatbestand hat also eine subjektive Komponente in drei Stufen: positives Wissen, Vermutung oder – und das ist die weiteste – die Umstände, nach denen man es annehmen muss. Liegt das Grundstück in einem in der Denkmalliste verzeichneten Bodendenkmal oder in dessen unmittelbarer Nachbarschaft, ist diese dritte Stufe regelmäßig erfüllt. Ein Blick in die Denkmalliste vor jedem Erdaushub gehört deshalb zur Sorgfalt jedes Bauherrn.

Nach Satz 3 kann die Erlaubnis versagt werden, soweit dies zum Schutz eines Bodendenkmals erforderlich ist – auch hier also eine teilbare Kann-Entscheidung.

Das Veranlasserprinzip: die Kostenfrage

Art. 7 Abs. 1 Satz 2 BayDSchG ist die Vorschrift, an der die meisten Bauvorhaben wirtschaftlich hängen: Der Erlaubnisinhaber „hat die Kosten für die vorherige wissenschaftliche Untersuchung, die Bergung von Funden und die Dokumentation der Befunde zu tragen, soweit ihm das zuzumuten ist”.

Drei Kostenblöcke, eine Grenze. Erfasst sind die wissenschaftliche Untersuchung vor dem Eingriff, die Bergung der Funde und die Dokumentation der Befunde – nicht dagegen Restaurierung, Auswertung oder Publikation. Und alles steht unter demselben Zumutbarkeitsvorbehalt wie die Erhaltungspflicht des Art. 4 BayDSchG.

Die Zumutbarkeit ist hier der eigentliche Verhandlungsgegenstand. Ins Verhältnis zu setzen sind die Grabungskosten und der wirtschaftliche Wert des Vorhabens; eine Grabung, die einen erheblichen Teil der Investitionssumme aufzehrt, ist regelmäßig nicht mehr zumutbar. In der Praxis lohnt es, die Frage vor Baubeginn zu klären und die Kostentragung in der Erlaubnis selbst zu regeln – nachträglich verhandelt es sich schlechter, wenn die Baustelle stillsteht.

Was ohne Erlaubnis geht: Art. 7 Abs. 3 BayDSchG

Auch für Bodendenkmäler gibt es einen Katalog erlaubnisfreier Maßnahmen. Nach Nummer 1 erfasst er das Verlegen, Erneuern und Entfernen von Hauseinführungen bei Wasser- und Abwasserleitungen, Stromleitungen, Gasversorgungs- und Fernwärmeleitungen (Buchstabe a), von Netzverteilern für Medien- und Kabelverteilern für Niederspannungsleitungen (Buchstabe b) sowie von Medien- und Niederspannungsleitungen bei grabenloser Verlegung im Oberboden (Buchstabe c).

Die Aufzählung ist konkret genug, um in der Bauplanung genutzt zu werden: Wer eine Leitung grabenlos im Oberboden verlegt statt in offener Bauweise, vermeidet das Erlaubnisverfahren.

Art. 7 Abs. 4 BayDSchG nimmt zudem Grabungen aus, die vom Landesamt für Denkmalpflege oder unter seiner Mitwirkung vorgenommen oder veranlasst werden.

Umgebungsschutz bei sichtbaren Bodendenkmälern

Art. 7 Abs. 5 Satz 1 BayDSchG erstreckt die Erlaubnispflicht auf die Umgebung – aber nur bei Bodendenkmälern, „die ganz oder zum Teil über der Erdoberfläche erkennbar sind“. Wer in deren Nähe Anlagen errichten, verändern oder beseitigen will, bedarf der Erlaubnis, wenn sich dies auf Bestand oder Erscheinungsbild auswirken kann. Grabhügel, Ringwälle und Burgställe sind die typischen Fälle; ein rein unterirdischer Befund löst diesen Umgebungsschutz nicht aus.

Satz 2 verweist auf Art. 6 Abs. 4 Satz 2 und Art. 6 Abs. 5 BayDSchG: Es gelten also derselbe verschärfte Versagungsmaßstab wie beim baudenkmalrechtlichen Umgebungsschutz und dieselbe Konzentration auf das Baugenehmigungsverfahren.

Für Windenergieanlagen gilt nach Satz 3 eine Sonderregel mit zwei Alternativen: Erlaubnispflicht besteht in der Nähe von besonders landschaftsprägenden Bodendenkmälern (Nummer 1) oder wenn sich das Vorhaben auf den Bestand eines Bodendenkmals auswirken kann (Nummer 2).

Der Zufallsfund: Anzeige und Wochenfrist

Art. 8 Abs. 1 Satz 1 BayDSchG verpflichtet denjenigen, der Bodendenkmäler auffindet, dies unverzüglich der Unteren Denkmalschutzbehörde oder dem Landesamt für Denkmalpflege anzuzeigen. Satz 2 erweitert den Kreis der Anzeigepflichtigen auf den Eigentümer, den Besitzer des Grundstücks sowie den Unternehmer und den Leiter der Arbeiten, die zu dem Fund geführt haben.

Zwei Entlastungsregeln mildern das: Nach Satz 3 befreit die Anzeige eines der Verpflichteten die übrigen. Und nimmt der Finder aufgrund eines Arbeitsverhältnisses an den Arbeiten teil, wird er nach Satz 4 bereits durch Anzeige an den Unternehmer oder den Leiter der Arbeiten befreit – der Bauarbeiter muss also nicht selbst zur Behörde.

Art. 8 Abs. 2 BayDSchG ordnet an, dass die aufgefundenen Gegenstände und der Fundort bis zum Ablauf einer Woche nach der Anzeige unverändert zu belassen sind – es sei denn, die Untere Denkmalschutzbehörde gibt die Gegenstände vorher frei oder gestattet die Fortsetzung der Arbeiten. Die Wochenfrist ist damit eine Höchstfrist, kein Automatismus: Wer den Baufortschritt sichern will, sollte aktiv um die Freigabe nach dieser Vorschrift nachsuchen.

Das Schatzregal – seit 1. Juli 2023 auch in Bayern

Bayern galt lange als das Land ohne Schatzregal. Das ist überholt. Art. 9 Abs. 1 Satz 1 BayDSchG bestimmt: Bewegliche Bodendenkmäler oder Teile davon, die herrenlos oder so lange verborgen gewesen sind, dass ihr Eigentümer nicht mehr zu ermitteln ist, werden unabhängig von einer Eintragung in die Denkmalliste mit der Entdeckung Eigentum des Freistaates Bayern. Satz 2 verlangt die unverzügliche Übergabe an das Landesamt für Denkmalpflege.

Art. 9 Abs. 6 BayDSchG nennt den Stichtag: Für Entdeckungen vor dem 1. Juli 2023 gelten die Vorschriften in der am 30. Juni 2023 geltenden Fassung. Wer noch mit der Aussage arbeitet, in Bayern gelte die hälftige Teilung nach § 984 BGB, arbeitet mit überholtem Recht.

Der Ausgleich für den Grundstückseigentümer. Nach Art. 9 Abs. 2 Satz 1 BayDSchG hat er gegen den Freistaat einen Anspruch auf Ausgleich; für Funde auf der Grundstücksgrenze gilt nach Satz 2 § 432 BGB. Satz 3 nimmt zwei Fallgruppen aus: Objekte mit einem Verkehrswert unter 1.000 Euro (Nummer 1) und Objekte, deren Fund oder Bergung unter Verstoß gegen gesetzliche Bestimmungen erfolgte (Nummer 2). Die Höhe bemisst sich nach Satz 4 nach dem Verkehrswert des restaurierten Objekts abzüglich des Aufwands für eine fachgerechte Restaurierung und Konservierung; nach Satz 5 ist die Belohnung des Entdeckers abzuziehen.

Die Belohnung für den Entdecker. Ist der Entdecker nicht zugleich Grundstückseigentümer, hat er nach Art. 9 Abs. 3 Satz 1 BayDSchG gegen den Freistaat einen Anspruch auf Belohnung nach § 971 BGB. Die Ausschlussgründe des Absatzes 2 Satz 3 gelten entsprechend – wer also unter Verstoß gegen das Ortungsgeräteverbot sucht, bekommt nichts.

Der Zeitpunkt. Art. 9 Abs. 4 Satz 1 BayDSchG lässt den Anspruch auf Ausgleich oder Belohnung erst 24 Monate nach der Übergabe an das Landesamt entstehen. Satz 2 lässt ihn entfallen, wenn das Objekt an die nach § 984 BGB Berechtigten zurückgegeben und diesen je zur Hälfte das Eigentum übertragen wird.

Die Gemeinde. Nach Art. 9 Abs. 5 Satz 1 BayDSchG soll das Eigentum auf Antrag der Gemeinde des Fundorts übertragen werden, wenn die fachgerechte Archivierung und Lagerung der gesamten Funde einer Grabung durch eine fachlich besetzte Einrichtung gewährleistet ist; nach Satz 2 bestehen dann keine Ansprüche der Gemeinde nach den Absätzen 2 und 3.

Das Verbot technischer Ortungsgeräte

Art. 7 Abs. 7 Satz 1 BayDSchG verbietet auf den in der Denkmalliste verzeichneten Bodendenkmälern den Einsatz technischer Ortungsgeräte, die geeignet sind, Denkmäler im Erdreich aufzufinden. Satz 2 lässt eine Erlaubnis nur für berechtigte berufliche Zwecke zu – die Sondengängerei als Hobby ist damit auf diesen Flächen nicht erlaubnisfähig.

Der Verstoß ist nach Art. 20 Abs. 1 Nr. 7 BayDSchG bußgeldbewehrt, ebenso wie das Graben ohne Erlaubnis (Nummer 3), die unterlassene unverzügliche Anzeige (Nummer 4), die Veränderung von Fund und Fundort entgegen Art. 8 Abs. 2 BayDSchG (Nummer 5) und die Verletzung der Übergabepflicht (Nummer 6). Der Bußgeldrahmen reicht bis zu fünf Millionen Euro; die Verfolgung verjährt nach Art. 20 Abs. 2 BayDSchG in fünf Jahren.

Weiterführend:Denkmaleigenschaft und Denkmalliste, Denkmalschutzrechtliche Erlaubnis nach Art. 6 BayDSchG und Ensemble und Umgebungsschutz.

Häufige Fragen zu Bodendenkmälern

Wenn Sie wis­sen, ver­mu­ten oder den Umstän­den nach anneh­men müs­sen, dass sich dort Boden­denk­mä­ler befin­den (Art. 7 Abs. 1 Satz 1 BayDSchG). Die Erlaub­nis­pflicht gilt aus­drück­lich auch für Erd­ar­bei­ten, die zu einem ande­ren Zweck als der Suche erfolgen.

Nach Art. 7 Abs. 1 Satz 2 BayDSchG der Erlaub­nis­in­ha­ber – für die vor­he­ri­ge wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chung, die Ber­gung von Fun­den und die Doku­men­ta­ti­on der Befun­de, aber nur, „soweit ihm das zuzu­mu­ten ist“. Restau­rie­rung, Aus­wer­tung und Publi­ka­ti­on nennt die Vor­schrift nicht.

Das Gesetz nennt kei­ne Quo­te. Maß­geb­lich ist das Ver­hält­nis der Kos­ten zum wirt­schaft­li­chen Wert des Vor­ha­bens. Weil die Fra­ge im Erlaub­nis­ver­fah­ren zu klä­ren ist, soll­te sie vor Bau­be­ginn gere­gelt und in der Erlaub­nis fest­ge­hal­ten werden.

Unver­züg­lich der Unte­ren Denk­mal­schutz­be­hör­de oder dem Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge anzei­gen (Art. 8 Abs. 1 BayDSchG) und Fund wie Fund­ort nach Art. 8 Abs. 2 BayDSchG bis zum Ablauf einer Woche nach der Anzei­ge unver­än­dert las­sen, sofern die Behör­de nicht vor­her freigibt.

Nicht zwin­gend. Art. 8 Abs. 2 BayDSchG lässt aus­drück­lich zu, dass die Unte­re Denk­mal­schutz­be­hör­de die Gegen­stän­de vor­her frei­gibt oder die Fort­set­zung der Arbei­ten gestat­tet. Die Woche ist eine Höchst­frist – ein Antrag auf Frei­ga­be lohnt sich sofort.

Nein. Nimmt der Fin­der auf­grund eines Arbeits­ver­hält­nis­ses an den Arbei­ten teil, wird er nach Art. 8 Abs. 1 Satz 4 BayDSchG bereits durch Anzei­ge an den Unter­neh­mer oder den Lei­ter der Arbei­ten befreit. Und nach Satz 3 befreit die Anzei­ge eines Ver­pflich­te­ten die übrigen.

Seit dem 1. Juli 2023 dem Frei­staat Bay­ern: Art. 9 Abs. 1 Satz 1 BayDSchG ord­net den Eigen­tums­über­gang mit der Ent­de­ckung an. Für Ent­de­ckun­gen vor die­sem Stich­tag gilt nach Art. 9 Abs. 6 BayDSchG das alte Recht.

Einen Aus­gleich nach Art. 9 Abs. 2 BayDSchG, bemes­sen nach dem Ver­kehrs­wert des restau­rier­ten Objekts abzüg­lich des Restau­rie­rungs- und Kon­ser­vie­rungs­auf­wands und abzüg­lich der Ent­de­cker­be­loh­nung. Aus­ge­schlos­sen ist er bei einem Ver­kehrs­wert unter 1.000 Euro und bei rechts­wid­ri­gem Fund oder rechts­wid­ri­ger Ber­gung. Der Anspruch ent­steht erst 24 Mona­te nach Über­ga­be an das Landesamt.

Auf in der Denk­mal­lis­te ver­zeich­ne­ten Boden­denk­mä­lern nicht. Art. 7 Abs. 7 Satz 1 BayDSchG ver­bie­tet dort den Ein­satz tech­ni­scher Ortungs­ge­rä­te; eine Erlaub­nis kann nach Satz 2 nur für berech­tig­te beruf­li­che Zwe­cke erteilt wer­den. Ver­stö­ße sind nach Art. 20 Abs. 1 Nr. 7 BayDSchG bußgeldbewehrt.